Garment Dyeing

Garment Dyeing

DER RAFFINIERTE EFFEKT, DER DURCH FÄRBEN EINES FERTIGEN KLEIDUNGSSTÜCKS AUS VERSCHIEDENEN MATERIALIEN IN EINEM EINZIGEN FARBBAD ERZIELT WIRD

Garment Dyeing
Stückfärbung heißt das von Massimo Osti und seinen Mitarbeitern Anfang der 70er-Jahre für C.P. Company entwickelte Verfahren, bei dem ein Kleidungsstück - in der Regel aus weißem oder rohem, ungefärbtem Stoff - erst im letzten Fertigungsschritt als voll konfektioniertes Kleidungsstück gefärbt wird, im Gegensatz zur herkömmlichen Methode, bei der Kleidungsstücke aus vorgefärbten Stoffen angefertigt werden. Während die Technik der Stückfärbung schon lange existiert, waren Massimo Osti und seine Mitarbeiter die ersten, die diese Technik mit Kleidungsstücken aus verschiedenen Stoff- oder Faserarten ausprobierten. Dieses für den Betrachter beinahe alchemistisch anmutende Verfahren erzeugt eine Farbtiefe und -intensität, die mit vorgefärbtem Stoff nicht erzielt werden kann, und verbessert zudem die Materialeigenschaften des Stoffes. Wer als Outsider das Kleidungsstück anfasst und zum ersten Mal anprobiert, hat das Empfinden, eine stückgefärbte C.P. Company Jacke sei eine unglaubliche „verbesserte Version“ seiner selbst. Es ist unerklärlicherweise lebendiger und präsenter ... auch wenn Massimo Ostis Ziele ursprünglich viel bescheidener waren. In den frühen 70er-Jahren, als C.P. Company noch Chester Perry hieß und Osti sich vor allem als Grafikdesigner betrachtete, der seine Zeichnungen auf T-Shirts auftrug, beschloss er, seine T-Shirts aus zwei einfachen Gründen erst nach dem Druck einzufärben: Erstens könnte er mit dieser Technik Stoffe in nur einer Farbe kaufen, sie aber in beliebig vielen, einzigartigen Farben anbieten. Zweitens wusste er – da er die häusliche Praxis des Überfärbens alter, verblichener Kleidungsstücke (die älteste und grundlegendste Form der Stückfärbung) kannte – dass die T-Shirts einen leicht zerknitterten Worn-in-Look annehmen würden. Ein Look, der ihn an den britischen Brauch der Oberschicht erinnerte, neue Schuhe oder Jacken von einem Butler eintragen zu lassen, damit nicht gleich offensichtlich ist, dass man etwas Neues trägt. Diese Idee kam Ostis persönlicher Vorstellung von Eleganz sehr nahe. Aus dieser anfänglichen Intuition heraus, seine T-Shirts in Farben, die die Stofflieferanten nicht verkauften, herstellen zu können und zugleich einen eingetragenen Effekt zu erzielen, begann Osti umfangreichere Experimente, um herauszufinden, was durch die Technik alles erreicht werden konnte. Schon bald stellte er, erstmals für ein Bekleidungsunternehmen, den hauseigenen Chemiker Giuliano Balboni in Vollzeitbeschäftigung ein und errichtete bei C.P. Company eine Färberei.
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Zusammen mit Balboni und einigen vertrauenswürdigen Lieferanten begann Osti zum ersten Mal in der Geschichte, Kleidungsstücke aus mehr als einem Stoff oder einer Faser zu färben. Er fing an, Jacken zu färben, bei denen z. B. Nylon, Leinen und geharzte Baumwolle in einem einzigen Farbbad kombiniert werden. Jeder Stoff- und Fasertyp reagierte auf den Färbeprozess auf unterschiedliche Weise. Einige Stoffe schrumpften um 8 %, andere nur um 3 %, ein dichteres Gewebe nahm weniger Farbe an als ein lockeres Gewebe, die Polyurethanbeschichtung wurde nur durch den Farbstoff „verschmutzt“, Nylon erhielt eine dunklere, sattere Braunnuance als Leinen und so weiter und so fort. Eine Stückfärbung in dieser Komplexität war noch nie zuvor versucht worden. Als er sie erfolgreich erlernte, erfand er eine firmeneigene Technik, die noch heute aufgrund ihrer Komplexität und der anfänglichen Investitionskosten nur eine Handvoll Marken weltweit einsetzen können und die zur einzigartigen DNA nicht nur von C.P. Company (und seiner späteren Marke Stone Island), sondern zum Synonym für die italienische Sportbekleidung im Allgemeinen wurde. Osti verbrachte die nächsten 15 Jahre (bis er Mitte der 90er-Jahre C.P. Company und Stone Island verkaufte und verließ) in einer obsessiven Farbreise: Die Stoffinnovation, die heute am meisten mit seinem Namen verbunden ist, war stets von der Frage beseelt: „Was passiert, wenn ich das Teil im Stück färbe?“. Die Antwort lautete unweigerlich: Es wird mehr Intensität annehmen und ursprünglicher, nuancenreicher und dichter werden ... im Grunde genommen schöner. Diese Reise in die Magie der Stückfärbung wurde von jedem nachfolgenden C.P. Company Designer fortgesetzt, der durch die Beherrschung der Technik mehr ein Ingenieur oder Industriedesigner als ein Modedesigner wurde. Heute sind 70 % von jeder C.P. Company-Kollektion stückgefärbt und sogar Teile, die es nicht sind, verkörpern das Design und die Philosophie, die durch die Beherrschung dieser Technik vermittelt werden.